Denise Steger zur Ausstellung EQUINOX, Kunstraum Remagen 2011
Wer kennt sie nicht, die Rätselbilder für Kinder, wo die Aufgabe gestellt ist, aus einem Gewirr sich kreuzender Linien Flächen farbig auszumalen um als Ergebnis eine Figur sichtbar zu machen.
Dass einfachste Formen durch die Hand des Künstlers zu hochkomplexen Systemen, zu einer poetischen Zeichensprache und zu sinnstiftenden Inhalten leiten können, hat der „Fabrikdirektor“ Konstantin Voit in seinem variantenreichen Schaffen permanent verinnerlicht. Gerade in der erklärten Fabrikation und Standardisierung seines Formenrepertoires, das aus über 4000 im Laufe der Jahre gesammelten Kindermalschablonen besteht, ergibt sich ein unendliches Fließband an Bildschöpfungen.
In der von Konstantin Voit 1995 gegründeten Malfabrik leben die im Wesentlichen in Spraytechnik „produzierten“ Werke von dem Umgang bereits vorhandener Daten, den Normen und Zeichen einer abbildbaren Welt. Im Filter der Schablonen werden Motive übereinandergelegt, kombiniert, gedreht, gespiegelt, gereiht, versetzt und sukzessiv verdichtet.
Die in „Blöcken“ organisierten umfangreichen Werkserien sind in ihren systemischen Eigenschaften mit denen unseres, in eben jenen Zeichen standardisierten Alltags kompatibel. Kunst für Alle – Alles für die Kunst, wie schon die Künstler der Pop Art den Grenzbereich zwischen Unikat und Auflageobjekt ausgelotet haben, spielt Konstantin Voit zum Beispiel mit Werbelogos namhafter Firmen, die er in Kombination mit seinen Schablonen subversiv und humorvoll manipuliert und sie damit in die Welt der Kunst hebt (Block 7); Namensbilder (Block 9) beziehen den Betrachter/Kunden als Auftraggeber ein: der Namensträger wird über Konstantin Voits System, die Buchstaben des Namens mit den Anfangsbuchstaben eines Symbols zu koppeln, in die Bilderwelt integriert, wird über seine Benennbarkeit Teil der Kunst.
Die neuen Bilder aus der Serie Equinox (Block 10) bestechen durch ihre Leuchtkraft, durch das Equilibre von Linie und Fläche. Vor schwarzem Hintergrund werden „EQUINOX Schablonen“ in den Leuchtfarben Rot, Gelb, Grün, Blau, Violett und Pink transparent übereinander gelegt. In den sensiblen Farbmischungen und Kreuzungen der Linien entstehen abstrakte Gebilde von hoher Ästhetik, die nicht nur das „Farbspiel zwischen Tag und Nacht“ suggerieren, sondern den Betrachter in eine Welt ziehen, die in ihrer strukturierten Ordnung zur Unendlichkeit führt.
Text: © 2011 Denise Steger
Denise Steger ist Tänzerin, bildende Künstlerin und promovierte Kunstwissenschaftlerin, sowie Mitautorin des Blogs „Edition, Das Labor – Verlag der Artisten“ in Bad Mülheim am Main.
Weitere Infos:
www.art-denise-steger.de
Edition, Das Labor – Verlag der Artisten


















































































































































































