201 – Das Polke-Problem
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DIN A4, Bleistift auf Papier, 1996
Viele Kunststudenten kennen das Problem. Da sitzt man in der Klasse eines berühmten Professors (oder einer berühmten Professorin), was an für sich eine gute Sache ist, A-B-E-R…
Genau um das Problem geht es hier, das „Aber“ daran.
So inspirierend, so schön und ehrenvoll es sein mag, bei den Berühmtheiten dieser Welt in die Lehre zu gehen (oder gegangen zu sein), es ergeben sich daraus Probleme, die nicht vom Pinsel zu weisen sind.
Große Vorbilder sind wichtig. Große Vorbilder sind Wegweiser. Große Vorbilder können Türen öffnen. Aber auch schließen. Genau dann, wenn der Schüler dem Weg seines Meisters folgt, und dabei vergisst, den eigenen zu finden.
Bei jeder Jahresausstellung an sämtlichen Kunstakademien zu beobachten. Tolle Kunst, die der Lehrer macht, aber eine Heerschar an Epigonen, die sich durch alles malen, basteln oder fotografieren, was der Meister ebenfalls kann. Meist viel besser, vor allem: deutlich früher.
Bringt nix. Energie verschenkt. Zweitklassige Galerien, die der Kunstmarkt zuhauf beherbergt, mögen darauf anspringen, den zweiten, dritten, vierten Aufguss einer Position sogar an die Käufer bringen, die, wie wir alle wissen, meist keine Ahnung haben und vorrangig das kaufen, was ihnen bekannt vorkommt. Künstlerisch ist es nichts wert. Nur die Made im Speck, den andere geräuchert haben.
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Aber selbst, wenn einem diese Phänomene bekannt sind, sind nicht alle Probleme gelöst. Denn, von guten Vorbildern lernen, heißt eben auch, diese in Teilen adaptieren. Sonst wären sie keine Richtungsweiser, sondern nur Menschen, die Dinge machen, die einen nicht weiter interessieren.
Es sind aber eben jene Künstler, die sich aus der Masse heben, deren Werk einen anspringt, mit denen man sich länger beschäftigt, durch die man also lernt.
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Aber.
Wie oft schon stand man an der Leinwand, kam nicht weiter, überlegte hin, überlegte her, bis einem die entscheidende Idee kam, legte los, um kurz darauf einzusehen, nein, so geht es nicht, jemand anderes hatte es bereits vorher so oder so ähnlich gemacht. Unbewusst wurde der Pinsel gelenkt von Vorhandenem, Gesehenem, bereits Ermaltem. Man hatte zu tief ins Glas seiner Vorbilder geschaut und unglücklicherweise daran genippt.
Zuviel Polke. Zuviel Richter. Zuviel Oehlen. Zuviel Kirkeby. Zuviel Kippenberger. Weg damit. Neustart.
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Kunst bedeutet, frei zu sein. Frei von allem, was einen zu sehr beeinflusst, in eine bestimmte Richtung drängt und davon ablenkt, das Eigene zu tun.
Nun ist es in der hierarchisch streng reglementierten Kunstwelt nicht leicht, sich von bestimmten Vorbildern frei zu machen. Aber es muss geschehen.
Ansonsten verkommt die Kunst zur Spielerei, zum Anhimmeln bekannter Persönlichkeiten und Positionen sowie einem Kopierverhalten, das meist deutlich schlechter ist, vor allem aber: komplett sinnlos.
Denn wahre Kunst will das Eigene, das Unverwechselbare, das Persönliche. Alles andere ist Nachäffen und Ideenklau; davon haben wir in dieser gleichgeschalteten Welt wahrlich schon genug.